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Ärztliche Notfalldienstversorgung - die nächste Baustelle in der ambulanten Versorgung

Hausärztinnen und - ärzte sind wichtige Pfeiler der medizinischen Grundversorgung. Gleichzeitig wird der Mangel an Allgemeinpraktikern/innen mit eigener Praxis gerade in ländlichen Gegenden immer mehr zum Problem, denn gemäss Gesundheitsgesetz des Kantons Zürich sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, Notfalldienst und in dringenden Fällen Beistand zu leisten. Im gleichen Gesetz ist festgeschrieben, dass der Kanton und die Gemeinden für eine zweckmässige Organisation der Notfalldienste zuständig seien.

Weniger Kapazität - weniger Bereitschaft
Der sich abzeichnete Mangel an Hausärztinnen und -ärzten, aber auch die sinkende Bereitschaft der Ärzte, in der Nacht, an Wochenenden aber auch tagsüber zu dringenden Notfällen gerufen zu werden und Hausbesuche zu machen, stellt zunehmend das Funktionieren des ambulanten Notfallversorgungskonzeptes in Frage. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken hat die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich die AGZ Support AG ins Leben gerufen. Gemeinden wird als Gegenleistung für die Mitgliedschaft angeboten, in medizinischen Notfällen erreichbar zu sein, eine Triage vorzunehmen, eine erste telefonische ärztliche Konsultation vorzunehmen und den Besuch in einer Notfallpraxis bis hin zum Hausbesuch zu organisieren. Dies zu einem angekündigten Preis von Fr. 10.- pro Einwohner/in und Jahr.

Das Modell wurde dem Leitenden Ausschuss des Gemeindepräsidentenverbandes vorgestellt. Er hat die Präsentation zur Kenntnis genommen und auf eine empfehlende Stellungnahme verzichtet. Aktuell werben aber Hausärztinnen und Hausärzte und auch Vertreter/innen der AGZ Support AG für das genannte «Sorglospaket» und es entsteht eine Verunsicherung, insbesondere in jenen Gemeinden, welche der Hausarztmangel bereits erreicht hat. Deshalb ist es mir ein Anliegen, hier darauf einzugehen.

Keine Verpflichtung
Bei der Notfallversorgung gemäss Gesundheitsgesetz muss unterschieden werden zwischen zwei Situationen. Einerseits gibt es Vorfälle, in denen Patientinnen und Patienten noch mobil sind oder in denen ein Rettungsdienst zum Einsatz kommen kann. In solchen Fällen spielen auch die Spitäler und die teilweise angegliederten Notfallpraxen eine wichtige Rolle. Dieser Teil der Notfallversorung funktioniert durchaus und bietet die gewünschte Absicherung. Auf der anderen Seite gibt es Situationen, in denen ein «aufsuchender Notfalldienst», vereinfacht gesagt ein Hausbesuch in Notfallsituationen, erforderlich wäre. Hier zeichnet sich zunehmend ein Engpass oder gar eine Unterversorgung ab.

Gerade in solchen Situationen will die AGZ Support AG ihre Dienste anbieten. Derzeit ist sie dabei, einen Versuchsbetrieb zu lancieren. Wie es der Name sagt, geht es darum, zu prüfen, ob das Modell funktioniert oder nicht. Die verschiedenen Pilotregionen sind zwar definiert, es gibt aber keine Verpflichtung für die Gemeinden, mitzuwirken. Die Teilnahme beruht auf Freiwilligkeit und ist insbesondere mit einer individuellen Einschätzung der Notfallversorgung durch die einzelnen Gemeinden verbunden. Dies ist nicht ganz einfach, denn es gibt keine klar definierten Parameter, welche als Grundlage dienen können. Auch der Kantonsarzt sieht die Sachlage gleich.

Weitere Entwicklung abwarten
Mit dem Versuchsbetrieb soll das Konzept der AGZ Support AG überprüft werden. Es muss aber auch darum gehen, die Kosten zu verifizieren. 10 Franken pro Einwohner/in und Jahr für eine Notfallversorgung, die eigentlich im Pflichtenheft der Ärztinnen und Ärzte steht, ist sehr viel und würde die Kosten für die ambulanten Versorgung in den Gemeinden noch stärker antreiben. Es handelt sich quasi um eine Versicherungsprämie für Eventualitäten, deren Eintreffenswahrscheinlichkeit schwer zu beurteilen ist. Vor diesem Hintergrund ist zu empfehlen, die Resultate des Versuchsbetriebes abzuwarten und, wie oben ausgeführt, auch in Absprache mit den lokalen Gesundheitsversorgern eine Lagebeurteilung vorzunehmen. Wir seitens des GPV werden dies sowohl mit der Ärztegesellschaft Zürich als auch mit der Gesundheitsdirektion ebenfalls tun. Dabei ist zu bedenken: die Entwicklung bei der Notfalldienstversorgung ist nicht erfreulich. Sie darf aber nicht zu dramatisch dargestellt und damit die Gemeinden in die Ecke getrieben werden.

Jörg Kündig, Präsident GPV Zürich
Der Notfalldienst ist ein wichtiges Element der Gesundheitsversorgung
 

Datum der Neuigkeit 1. Juni 2016